Rosenkriege

In England ist die Thronfolge eigentlich klar geregelt. Die Königswürde geht immer an den nächsten Verwandten des vorigen Herrschers, hat dieser keine Söhne, dann dürfen auch Töchter ran und Königinnen (Queen) werden.

Aber auch wenn die Thronfolge klar geregelt ist, gab es doch schon so manchen Krieg um die Krone. Einer dieser Kämpfe ging als Rosenkriege (Wars of the Roses) in die Geschichte ein.
Die Rosenkriege dauerten, wenn auch mit Unterbrechungen, von 1455 bis 1485. Geführt wurden in den 30 Jahren der kriegerischen Auseinandersetzung um die englischen Krone eine ganze Reihe von Schlachten, am Ende setzte sich das Haus Lancaster gegen das Haus York durch.
Namensgeber für die Rosenkriege

Um die englische Krone stritten sich die beiden hochadligen englischen Familien York und Lancaster. Das Haus York führte in seinem Wappen eine weiße Rose, das Haus Lancaster eine rote Rose und so etablierte sich später der Name Rosenkrieg.

Ursache für den Rosenkriege

Die beiden Adelshäuser York und Lancaster gehörten zu zwei verschiedenen Zweige des Hauses Plantagenet, beide konnten ihre Stammlinie auf König Edward III. zurückführen.

1422 stirbt König Heinrich V. Die Lancasterpartei im englischen Adel sichert den Thron Heinrichs kleinen Sohn, Heinrich VI. (1421-1471). Als Heinrich Anzeichen einer Geisteskrankheit zeigt meldet sein Cousin Richard Plantagenet, 3. Herzog von York (1411-1460) Ansprüche auf die Krone an. Nicht nur die Zeichen von Geistesschwäche werden dem König vorgeworfen, schlechte Ratgeber, eine schwache Regierung werden ebenfalls angeführt. Als es zu einer Niederlage der englischen Streitkräfte in Frankreich (dort tobt der Hundertjährige Krieg) kommt, macht sich Richard zum Wortführer der Opposition gegen König Heinrich.

Es kommt zu einen Bürgerkrieg zwischen der weißen Rose von York und der roten Rose von Lancaster.

Im Jahre 1461 wird König Heinrich gefangen genommen und abgesetzt. Neuer König wird nicht sein Sohn Eduard sondern Richards Sohn Eduard, der als König Eduard IV., den Thron besteigt. Das Haus York hat zu diesem Zeitpunkt die Oberhand gewonnen. Aber der Sohn des abgesetzten Königs hat eine Mutter, Margarete von Anjou, die für ihren Sohn weiter kämpft. 1471 fällt Eduard allerdings, sein Vater wird wenig später im Londoner Tower ermordet.

Der Krieg zwischen dem Haus York und dem Haus Lancaster ist damit aber noch nicht beendet. Der Konflikt erhält neuen Zündstoff als 1483 plötzlich König Eduard IV. stirbt. Er hinterlässt einen zwölfjährigen Sohn, Eduard V. Um seine Vormundschaft streiten sich Eduards Witwe, Elisabeth Woodville, und Eduards Bruder Richard. Am Ende setzt sich Richard durch. Er lässt seinen Neffen und auch dessen kleinen Bruder zu Bastarden erklären. Die beiden Jungen kommen in den Tower, Richard lässt sich 1483 zum neuen König, Richard III., krönen. Seine beiden Neffen sterben in ihrem Gefängnis, wahrscheinlich ermordet.

Wieder hat das Haus York die Oberhand gewonnen.

Nun präsentiert das Haus Lancaster einen neuen Anwärter auf den englischen Thron: Heinrich Tudor (1457-1509). Heinrich Tudor hat zwar nur schwache Ansprüche auf die englische Krone, aber er kann sich militärisch gegen Richard am Ende durchsetzen. 1485 landet Heinrich in Wales. In der Schlacht von Bosworth Field fällt Richard. Heinrich tritt als Erbe der Lancasters die Nachfolge an und heiratet Elisabeth (eine Tochter Eduards IV.) aus dem Hause York. Damit sind die Rosenkriege in England beendet. König Heinrich VII. sorgt wieder für Frieden im Land. Es beginnt in England eine Friedensepoche, allerdings wird diese immer wieder gestört, denn auch König Heinrich muss sich den einen oder anderen Anwärter erwehren.

Ende der Rosenkriege

Endgültig beendet werden die Rosenkriege wohl 1487 mit der Schlacht von Stoke. Lambert Simnel, ein angeblicher Sohn von George Plantagenet, 1. Herzog von Clarence, damit ein Neffe von Eduard IV. und Richard III. setzte damals mit einem Söldnerheer von Irland nach England über. In der Schlacht von Stoke gerät Lambert Simnel allerdings in Gefangenschaft und der Earl of Lincoln, den Richard III. zum Thronfolger bestimmt hatte und der Simnel unterstützt hatte, fällt. Mit dem Tod des Earl of Lincoln endet das Haus York.

Haus Tudor

Das Haus Tudor bleibt gut 100 Jahre auf dem englischen Königsthron. Auf König Heinrich VII. folgte Heinrich VIII. Dieser heiratet zwar mehrfach, insgesamt sechs Ehefrauen sind es am Ende, aber sein einziger männlicher Thronfolger, Eduard VI. stirbt wenige Jahre nach der Thronbesteigung. Ihm folgen seine älteren Schwester Maria (1516-1558) und Elisabeth (1558-1602) nach. Alle drei sterben Kinderlos und damit ohne Thronfolger.


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